DIE DUNKLE SEITE DER ELEKTROAUTOS.
Batt Country
Der Absatz von Elektrofahrzeugen boomt. Doch wie eine Familie in St. Petersburg, Florida, feststellen musste, sind auch die Kosten für den Batteriewechsel entsprechend hoch.
Avery Siwinski erzählte dem Fernsehsender 10 Tampa Bay, dass sie mit ihrem gebrauchten Ford Focus Electric aus dem Jahr 2014 selbst zur Schule fahren konnte – ein typischer Schritt ins Erwachsenenleben, den viele Teenager in der Vorstadt kennen. Ihre Familie zahlte 11.000 Dollar dafür, und die ersten sechs Monate lief alles reibungslos.
„Anfangs war alles super“, sagte Avery Siwinski gegenüber 10 Tampa Bay. „Ich habe es so geliebt. Es war klein, ruhig und niedlich. Und plötzlich funktionierte es nicht mehr.“
Als im März eine Warnmeldung im Armaturenbrett aufleuchtete, brachte Siwinski den Wagen mit Hilfe ihres Großvaters Ray Siwinski zum Autohaus. Die Diagnose war niederschmetternd: Die Batterie musste ausgetauscht werden. Die Kosten? 14.000 Dollar – mehr als sie ursprünglich für das Auto bezahlt hatte. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, hatte Ford das Focus Electric-Modell bereits vor vier Jahren eingestellt, sodass die Batterie gar nicht mehr erhältlich war.
„Wenn Sie sich ein neues Auto kaufen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass es derzeit keinen Gebrauchtmarkt gibt, weil die Hersteller die Autos nicht unterstützen“, warnte Ray den Sender.
Falling Flat
Die Anekdote verdeutlicht ein ernstes und drohendes Problem für den Markt für Elektrofahrzeuge.
Wenn ein Elektrofahrzeug außer Betrieb genommen wird, sollten seine Batterien idealerweise recycelt oder wiederverwendet werden. Doch die Infrastruktur für die Herstellung und das Recycling von Elektrofahrzeugbatterien ist – zumindest außerhalb Chinas – noch nicht ausreichend entwickelt. Dies verschärft den ohnehin schon hohen Ressourcenbedarf für die Batterieherstellung. Elektrofahrzeugbatterien sind nicht nur deutlich komplizierter zu recyceln als die Blei-Säure-Batterien herkömmlicher Autos, sondern auch extrem schwer und teuer im Transport.
Und ja, auch die drohende Lithiumknappheit darf nicht außer Acht gelassen werden. Die USA arbeiten bereits an einer Lösung dieses Problems: Das Energieministerium hat Pläne zum Bau von 13 neuen Batteriefabriken für Elektrofahrzeuge bis 2025 angekündigt.
Die Zuverlässigkeit der Batterien ist ein weiterer offensichtlicher Faktor. Tesla-Batterien halten sich hinsichtlich des Leistungsabfalls recht gut, Besitzer älterer Modelle anderer Hersteller hatten jedoch weniger Glück. Aktuell schreibt das Bundesgesetz vor, dass für Batterien von Elektrofahrzeugen eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern gelten muss – das ist zwar besser als nichts, aber es wäre beschämend, den Motor eines Benziners bereits nach acht Jahren austauschen zu müssen.
Veröffentlichungsdatum: 21. Juli 2022